Kerstin Hack

Coach / Autorin / Verlegerin

Chaos und Frieden

2016-08-07-20-19-28Es war ein bisschen verrückt. Aber gelegentlich „muss“ man verrückte Dinge tun. Etwa mit der besten Freundin nach London fliegen, um die Ausstellung „Revolution“ anzusehen. Meine Freundin bereitet eine Konferenz zur Aufarbeitung der 68er Bewegung vor. Und die Ausstellung gab einen sehr guten weltumfassenden Einblick in all die Ströme und einzelnen Veränderungen, die zu der großen Revolution führten: Die Pille genauso wie politische Skandale, Ideologien, Mode, Musik, Drogen, Kriege (Vietnam), Bürgerrechtsbewegungen usw.

Und ich hab den „Bildungsausflug“  es sogar noch mit einem Besuch bei meinem Patenkind im Norden Englands verbinden können.

Durch ein Quartier bei einer Freundin und Billigflüge war das ganze auch erschwinglich (London hat es sonst ja finanziell in sich). Dachte ich.

Bis zu dem Moment als mir bei der Passkontrolle mein Personalausweis abgenommen wurde. Der war mir 2015 gestohlen worden. Ich hab das – ebenso wie den freudigen Zurückerhalt – der Polizei gemeldet. Alles in Ordnung, dachte ich. Leider – das erfuhr ich erst später – gibt es bei den Computern von Interpol keine Möglichkeit, ein einmal verloren gemeldetes Dokument wieder als „ok“ zu markieren. Einmal verloren bleibt immer verloren.

Obwohl ich auf dem Perso klar zu erkennen bin, Führerschein und weitere Dokumente zum Beweis meiner Identität dabei hatte und sogar noch die Email im Laptop hatte, mit der ich den Rückerhalt des Personalausweises an die Polizei gemeldet hatte. nahm mir die britische Grenzkontrolle meinen Personalausweis ab. Und gab mir eine Kopie und ein Schreiben mit. Sie meinte, damit müsste ich wieder ausreisen können.

Am Flughafen in Liverpool stellte ich dann fest: Das war ein Irrtum. Die Billig-Fluggesellschaften wollen kein Risiko eingehen (Sie müssen Strafe zahlen, wenn sie jemanden illegal in ein Land bringen). Also verweigerte man mir die Abreise (natürlich ohne jede finanzielle Entschädigung), schickte mich zum Konsulat, das aber nur einen Tag pro Woche geöffnet ist. Nicht an dem, an dem ich da war.

Der Konsul war aber telefonisch erreichbar und teilte mir mit, ich müsste nach London zur Botschaft. Die natürlich nur bis 14.00 geöffnet hat.  Es war klar: Das ist an diesem Tag nicht zu schaffen.

Ich war gestresst, frustriert, konnte meine Freunde in London nicht erreichen… fand alles ziemlich anstrengend.

Der ganze Spass kostete mich mit Zugtickets (88 Pfund), Pass, der nur 1 Tag gültig ist (25 Pfund) und neuem Flugticket (140 Pfund) plus Essen und Trinken (15 Pfund) so an die 300 Euro. Plus die Kosten für einen neuen Personalausweis. Kein Vergnügen.

Es ist total eklig, wenn so was passiert. Man fühlt sich hilflos, ausgeliefert gegenüber Machthabern, Behörden, Fluggesellschaften,  die nach – teilweise absurden – Vorgaben operieren, wenig Flexibilität zeigen. Ich hasse es, mich ausgeliefert und hilflos zu fühlen.  Diese Gefühlsmischung ist neben tiefer Enttäuschung einer der furchtbarsten Gefühle, die ich kenne.

Eine der besten Gegenmassnahmen gegen das Gefühl der Hilflosigkeit: Die Möglichkeiten  zur Gestaltung nutzen, die noch verbleiben. 

Klar, man kann manches leider nicht ändern und fühlt sich zu Recht hilflos und ausgeliefert. Aber in der Situation kann man – im Rahmen der Möglichkeiten – noch gut für sich sorgen. Das habe ich so gut ich konnte, gemacht:

  • Das deutsche Konsulat in Liverpool, das neben einer Zahnarztpraxis ist, war ja geschlossen. Ich hab die Sprechstundenhilfe gebeten, ihr Telefon zu nutzen, um Konsulat und Botschaft anzurufen. Und ihr am Ende einen meiner Kalender als Dankeschön geschenkt.
  • Da ich schon in Liverpool war und ohnehin erst am nächsten Tag in die deutsche Botschaft nach London konnte, entschied ich mich, die Stadt zwei Stunden zu erkunden… und landete „zufällig“ bei The Cavern, dem Club, in dem die Karriere der Beatles begann. Dort lief gerade ein Live-Konzert mit richtig guter Musik, Das war sooo wohltuend.
  • Auf dem Weg zur deutschen Botschaft, kam ich an Eaton Square vorbei, den ich aus einer Fernsehserie meiner Kindheit kenne. Und genoss das Schlendern durch die historische Gegend.
  • In der Botschaft hab ich mit zwei Babies geflirtet. Mit Kindern zu spassen und zu spielen tut meiner Seele immer gut.
  • Da auch noch ein Streik auf der Zuglinie nach Gatwick, von wo die meisten Billigflieger abfliegen, war, entschied ich mich, mir die 20 Pfund fürs Zugticket zu sparen und mir dafür (plus noch etwas mehr)  lieber ein etwas teureres Flugticket vom City Flughafen zu gönnen. Ich habe es so genossen, zwei Sitzplätze für mich zu haben…

All das hat meiner Seele richtig gut getan, etwas von dem Stress abgemildert, den die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten der Menschen und Systeme ausgelöst haben. Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass mir das gelungen ist. Ich werde noch ein bisschen weitermachen, die Techniken aus Blockaden lösen anwenden, um Stress weiter abzubauen. Und gestalten und Momente genießen. So gut ich kann. Weil es gut tut.

 

Advent, Jan Hus und andere Revolutionen

nl-header_wunschzeit„Unerwarteter Gott. Dein Kommen schreckt uns auf!“

So lautet das traditionelle Adventsgebet der Anglikanischen Kirche: „Unexpected God, your advent alarms us.“

Das passt nicht unbedingt zu süßlicher Musik, Dekoration und ebenso süßem Gebäck, das wir kulturell mit der Adventszeit verbinden und zu Recht lieben. Ich zumindest liebe Adventskalender, Adventskränze und andere Traditionen. Auf Kaufhausmusik kann ich jedoch gern verzichten.

Aber das anglikanische Gebet passt auch zu der Tatsache, dass Gottes Kommen oft einiges durcheinander bringt.

 

Dort wo Dinge gott-los sind, ist was los, wenn Gott kommt.

 

Gerade lese ich einen biographischen Roman über den Tschechischen Reformator Jan Hus, der wie ein Löwe gegen die Missstände in der Kirche von damals gekämpft hat. Nur ein paar wenige: Drei Päpste waren mindestens zwei zu viel, Priester, die sich Ämter kaufen und finanziell von den Zwangsabgaben der Gläubigen profitieren konnten, ohne vor Ort seelsorgerlich tätig zu sein, Ablasshandel um den Krieg, den die Päpste gegeneinander führten, zu finanzieren.

Das Kommen Gottes – in Form des Reformators Jan Hus und seiner Freunde – brachte Licht in die damalige Finsternis. Es hat viele aufgeschreckt. Manche zu Erschütterung und Umkehr und neuer Freude und Freiheit in Gott. Andere zu noch mehr Hass und Grausamkeit, um die Finsternis – erfolglos – gegen das eindringende Licht zu verteidigen.

Das packend geschriebene Buch Jan Hus, der Feuervogel von Konstanz hat mich aufgewühlt. So sehr, dass ich heute einige Stunden nicht einschlafen konnte. Es ist so krass, wie ein Mann und seine Freunde Schritt für Schritt Wahrheit erkannten und Licht in die stockfinstere Dunkelheit brachten.

Weniger wie ein Scheinwerfer, der auf einmal alles erhellt. Sondern eher wie Kerzen, die nacheinander angezündet wurden. Kerzen, deren Leuchtkraft begrenzt war, aber sich Kerze um Kerze, Erkenntnis um Erkenntnis, weiter in dunkle Ecken ausbreitete.

Was Jan Hus und seine Freunde – unter großen persönlichen Opfern – geleistet haben, um auch nachfolgenden Generationen Licht zu bringen, bringt mich zum Weinen. Vor Schmerz. Und Dankbarkeit.

Gottlos muss ja nicht unbedingt verdorben und ausbeuterisch heißen, wie in der Kirche vor Hus.

Gott-los kann einfach nur heißen – da ist Gott noch nicht hingekommen.

Ich frage mich:

Wo bin ich gott-los?

  • Wo ist Gott in meinem Leben bisher noch nicht hingekommen?
  • Welche Ecken meines Herzens halte ich noch verschlossen?
  • Wo ist es dunkel in mir, meinem Handel, meinem Herzen, meinem Denken?

 

Das wird mein Gebet für die Adventszeit sein:

Unerwarteter Gott. Da, wo ich gott-los bin, schrecke mich auf. Zur Erneuerung. Zu mehr Licht. Zu mehr Leben. 

stapel-bild0006Ganz praktisch Licht bringen 

Die Pragmatikerin in mir, will auch ganz praktisch und handfest Licht ins Leben von Menschen bringen.

In Form von Bäumen, die ich in Afghanistan pflanzen will. Dort, wo finstere Kräfte in grausamen Kriegen Millionen von Obstbäumen abgehackt haben, will ich Hoffnung pflanzen.

Hoffnung wie Kerzen. Die Stück um Stück Licht bringen.

Mein Ziel: 100 Bäume für Afghanistan. Oder mehr.

Einen Obstbaum zu pflanzen kostet nur 5 Euro.

Ein Baum  kann zur Ernährung und zum Einkommen einer Familie entscheidend beitragen.

Ich würde mich freuen, wenn du mitmachst. Aktuell (Stand 1. Advent Morgens)  warte ich noch auf eine Antwort, dann wird das Projekt zum Spendensammeln freigeschaltet. Aber du kannst jetzt schon Fan werden. Und dann mitmachen, sobald es losgegangen ist.

Licht nach innen. 

Licht nach außen. 

Das wird ein guter Advent. 

Schreiben ist wie Atmen

2016-11-24-16-04-18Schreiben ist für mich wie Atmen.

Meinem Laptop sieht man das an.

Durch das viele Schreiben, ist die Farbbeschichtung auf der Enter-Taste so abgenutzt, dass man die Technik durch das nun durchsichtige Plastik erkennt: „So was hab ich noch nie gesehen!“ staunte kürzlich jemand, der meinen Laptop sah… „Ich bin Autorin“ antwortet ich. „Ah, so!“ (Autorin und zu sparsam um 300!!! Euro für das Auswechseln einer einzigen Taste auszugeben).

Seit gestern bin ich auf Mallorca und mache den ersten Pauschalurlaub seit Jahrzehnten. Naja, so ganz pauschal ist es nicht. Ich hab mir einen Flug gebucht und kleines, altes Hotel gesucht, weil ich nicht in so einer Bettenburg untergebracht werden wollte. Und die Wahl war gut.

Es ist klein und fein. In den Speiseräumen dringt ruhige klassische Musik aus den Lautsprechern, kein Popgedudel. Und es ist direkt am Strand. Ich war heute Morgen schon im Meer schwimmen. Kurz: Ich fühle mich wohl

Ich habe einigen Freunden erzählt, dass ich im Urlaub auch schreiben will. Sie waren überrascht: „Warum willst du schreiben? Mach doch mal richtig Urlaub!“ Richtig heißt in dem Fall entweder nichts tun oder Aktivurlaub. Aber eben nicht Schreiben, weil ich damit ja auch mein Geld verdiene.

Ich nehme Rat von guten Freunden ernst und hab mich hinterfragt: Ist es richtig, was ich tue?
Gestern, bei einem langen Strandspaziergang wurde mir klar. Schreiben ist für mich wie Atmen. Ausatmen.

Ich bin eine Frau, die extrem viel aufnimmt. Wenn ich mit einer guten Freundin unterwegs bin, sehe ich – gefühlt – 10 x mehr Details als sie. Ich nehme Dinge mit einer Blitzgeschwindigkeit wahr und füge sie dann zusammen. Manchmal fange ich an, zu lachen, weil ich die Komik einer Situation erkenne, die andere noch nicht mal wahrnehmen. Und wenn ich Puzzles baue, muss ich in der Regel nicht denken, wo ein Teil hin soll – ich sehe es einfach.

Ich sehe (oder lese), kombiniere, verbinde, füge die Dinge an einen neuen Platz.

Mein wichtigstes Instrument beim inneren Sortieren ist das Schreiben. Wenn ich schreibe, sortiert sich das neu aufgenommen zu neuen Bildern, Gedanken, Konzepten.

Wenn ich nicht schreibe, weil mir die Zeit und der Raum dafür fehlt. dann bleibt es in mir stecken. Etwas will sich Ordnen, Sortieren, will Ausdruck finden. Meist sind die Gedanken vor dem Schreiben noch unsortiert. Beim Schreiben klärt sich mein Kopf, ich kann die Dinge selbst besser begreifen, während ich sie für andere niederschreibe.

Es ist immer auch so, dass ich mit dem, was ich entdeckt habe, gern auch andere Menschen inspirieren will. Gerade lese ich sehr viel über den Zusammenhang von Spielen, Leichtigkeit und Kreativität. Es formt sich in mir u neuen, hilfreichen Gedanken und Konzepten.

Einen Teil davon werde ich zusammenfassen und in mein Online-Jahrestraining einfließen lassen, an dem ich gerade arbeite.. Die anderen Gedanken vielleicht in diesen Blog.

Das schöne an Laptops ist, dass ihr Akku irgendwann leer ist.

Das ist eine gute Grenze: Ich schreibe so lange im Hotelgarten, bis der Laptop nicht mehr kann.. Den Rest der Zeit kann ich dann noch „richtig“ Urlaub machen.

Ich weiß nicht, was mit dem Körper passiert, wenn man immer nur einatmet und nie ausatmet. Vermutlich platzt man nicht. Aber gesund ist es auf keinen Fall

Ich brauche Schreiben wie Atmen. Das AUSatmen.c

Politik, Deutschland, Afghanistan und warum ich jetzt Bäume pflanze

Ich bin frustriert.

Richtig frustriert.

Am Tag der deutschen Einheit wurden die wichtigsten Politiker unserer Landes von einer pöbelnden Masse beschimpft und beleidigt. Ich fand das heftig. Und schrecklich. Natürlich handeln die Regierenden nicht immer so, wie Teile des Volkes das möchten. Das tun Eltern und Lehrer auch nicht.

Aber sie wechseln Windeln – die Eltern. Sie korrigieren unzählige rächt Schreibfehler – die Lehrer. Und schlagen sich mit Nachbarschaftsklagen, EU Verordnungen und Sozialgesetzgebung ebenso herum wie mit politischen Freunden und Gegnern und mit internationalen Amtsinhabern aller Sorten: den klugen und dummen, den despotischen und den gefährlichen.

Sie hängen in langweiligen Sitzungen fest, müssen die immer gleichen Beleidigungen der Presse über sich lesen und mit Leuten wie Erdogan oder Trump Mittagessen und dabei auch noch lächeln. Ich könnte das nicht. Weder das Bürokratische noch das Diplomatische. Finde es heftiger als Windeln wechseln  – das krieg ich mit Luft anhalten noch hin. Und bin dankbar, dass Menschen für uns dieses Sch…. job übernehmen. An dieser Stelle ein echter, ehrlicher Dank an alle Politiker  – egal ob auf Bezirks- Landes- oder Bundesebene.

Und ja, die Politik frustriert mich auch.

Kürzlich ging durch die Medien, dass die Bundesregierung Zehntausende von geflüchteten Afghanen abschieben will. Afghanistan ist komplex.  Ja, es gibt Regionen in Afghanistan, die relativ friedlich sind. Und in denen es sich – mal abgesehen von einer der höchsten Kindersterblichkeitsrate der Welt – gut leben lässt. Ich habe vor einigen Jahren – als die Lage nochstapel-bild0006 stabiler war, die Gegend um Kabul besucht. Ja, man kann dort leben. Arm. Aber Lebensraum.

Und zugleich gibt es eine Reihe von Regionen, in denen das Leben der Menschen durch Radikale bedroht ist. Selten ist die Bedrohung individuell – wie es das deutsche Asylgesetz erwartet, um Asylstatus zu gewähren – sondern meist allgemein. Da werden halt alle, die gerade da sind, bei einem Selbstmordattentat verletzt.

Aber auch individuell. Wenn man es etwa wagt, die Religion zu wechseln, weil man im Islam nichts mehr finden kann, was die eigene Seele hält. Darauf steht der Tod. Und Religionswechsel ist für liberale deutsche Asylanwälte kaum zu begreifen. Und wird aktuell in Dutzenden von Fällen nicht anerkannt. Da wurden beispielsweise Christen in der Notunterkunft von radikalen Moslems mit dem Tod bedroht – gegen die Angreifer ermittelt die Staatsanwaltschaft. Aber das Bundesamt für Migration lehnte den Asylantrag ab, weil für sie nicht zu erkennen war, dass es sich um einen ernstgemeinten Religionswechsel handelt (Wie bitte?!!)

Und natürlich gibt es die Menschen, die einfach „nur“ deshalb ihr Land verlassen, weil es in dem kargen, zerfurchten, armen Land keine Perspektive mehr für sie gibt.

Dennoch: Wenn Phrasen fallen wie „10.000 Afghanen werden abgeschoben“, wirkt das auf mich wie ein Eingeständnis an die Rechten.  Man biedert sich an, indem man sagt: „Wir tun ja was, um die Flüchtlingsflut zu beenden. Das Wort Flüchtlingsflut halte ich angesichts der Zahlen von weit unter einer Million immer noch für einen Witz, mal abgesehen davon, dass Menschen keine Flut sind. Aber das ist ein anderes Thema!

Was mich frustriert…Phantasielosigkeit

Ich frage mich, ob die Verantwortlichen sich vorstellen können, was das bedeutet, wenn eine Familie, manchmal ein ganzes Dorf alles Geld, was sie hatten, zusammenlegten, um einem Mitglied die Flucht zu ermöglichen. Was es in einer Kultur wie der Afghanischen heißt, mit Scham und Schande zurück zu kehren – mit noch schlechteren Vorraussetzungen als vorher.

Was ich auch nicht verstehe: Wenn man Menschen schon in Länder abschiebt, die alles andere als sicher singt, warum nutzt man die Chance nicht, Fluchtursachen aktiv zu bekämpfen. Eine Fluchtursache sind geringe Zukunftsperspektiven.

Da könnte man doch was machen. Etwa ein Bildungs- und Ausbildungsprogramm, das Menschen vor der Abschiebung Fähigkeiten vermittelt, die sie im Heimatland gut brauchen können. Egal ob Landwirtschaft oder Elektrik, Schneiderei oder Schweißen, Viehzucht oder Imkerei, Informatik oder Pädagogik, Säuglingspflege oder Geburtshilfe, Krankenpflege oder Sicherheit. Und ihnen dann mit einem kleinen Startpaket beim Neuanfang in der alten Heimat hilft. So dass sie nicht mit Scham und Schande in ihr Land zurück kehren, sondern mit einer Zukunft – für sich und die Menschen, die sie lieben,

Vielleicht, Und natürlich gibt es Gegenargumente. Das könnte ja andere anziehen. Was  soll´s. Probieren könnte man es. Und an manchen Stellen wird das ja auch schon – häufig ehrenamtlich gemacht.

stapel-bild0014Ich war in Afghanistan, habe den Mut gesehen, mit dem Menschen nach jahrzehntelangem Krieg wieder neu anfangen.

Ich habe sie dafür bewundert. So wie den alten Mann auf dem Bild, den die Taliban zusammen mit anderen Dorfbewohnern in einen Container gesperrt haben. Und dann weggingen. Als nach Tagen Hilfe kam, war er der einzige, der noch lebte. Und er baute  mit von der Flucht Zurückgekehrten das zerstörte Dorf wieder auf.

Ich träume davon, Menschen wie ihn zu unterstützen, damit Neuanfang leichter gelingen kann.

Ich bin frustriert, wütend, auch ein bisschen verzweifelt, dass Menschen einfach nur abgeschoben werden sollen, ohne eine Perspektive für danach. Das finde ich grausam. Ich bin gründlich frustriert über solches Handeln, das aus meiner Sicht Probleme nicht löst.

Wenn ich frustriert bin dann schaffe ich mir erst mal Luft. Das habe ich jetzt gerade getan. Mir die Seele aus dem Leib geschrieben. Der Dampf musste raus. Ich will dankbar sein und stolz  auf mein Land und das, was wir zur Linderung von Not und zur Lösung von Problemen in der Welt tun,  nicht frustriert über dummköpfige Politikerfeinde und manchmal kurzfristig agierende Politiker.

Lösungen suchen

Dampf ablassen tut gut. Aber ich will dabei nicht stehen bleiben. Ich suche Lösungen und denke mir: Kurzausbildungen für Menschen, die von Abschiebung bedroht sind, zu initiieren, wäre genial. Wenn sie mit Grundkenntnissen in Landwirtschaft, Gesundheitspflege, Geburtsbegleitung oder Nachsorge, als Schweißer, Elektriker oder oder in ihr Land zurückkehren könnten, wäre das schon eine gewisse Zukunftsperspektive. Auf jeden Fall besser als ohne irgendetwas in der Hand abgeschoben zu werden.

Lösungen prüfen und verwerfen

Der Realiatätcheck zeigt: So was für Tausende von Menschen zu organisieren und auf die Beine zu stellen überfordert gerade meine Kräfte und Ressourcen.

Passende Lösungen finden – 100 Bäume pflanzen – mindestens

stapel-bild0004Aber eine Reihe von Bäumen in Afghanistan pflanzen – das könnte ich tun.

Und das ist auch nötig. weil durch Krieg und Dürre fast keine Bäume mehr existieren, die Versteppung aufhalten und Menschen nähen können. Die Hilfsorganisation Shelter now gibt Menschen Obstbaum-Setzlinge und Bienenvölker. Davon können Familien ein gutes Stück weit leben. Und der Grundwasserspiegel und das Klima wird besser.

Das beste von allen:  Ein Baum kostet nur 4 Euro, Bienen für 100 Bäume noch mal 100 Euro. Also 100 Bäume plus Bienen, das sollte zu machen sein. Mindestens 100. Noch lieber 1000. Und 10.000 – das wäre schon ein Traum.

Ich werde ich es tatsächlich tun. 100 Bäume pflanzen. Mindestens. Für 100 Familien Obst. Ein kleiner Beitrag für ihre Zukunft. In dem Land, das sie Heimat nennen.

Und klar – alleine kann ich einiges schaffen. Zusammen schaffen wir mehr.

Wenn du auch keine Lust mehr hast, dich hilflos zu fühlen, dann mach einfach mit. Auf Startnext mache ich eine Kampagne zu den Bäumen. Ein Baum – plus Bienenvolk – kostet nur 5 Euro. Das schafft eigentlich jede*r.

Du kannst als erstes bei meinem Crowdfunding Projekt Fan werden, mir Feedback geben, ob alles gut und klar beschrieben ist.

Und dann wenn es richtig losgeht, natürlich mitmachen und eine oder zwei oder zwanzig, zweihundert … Bäume finanzieren. Und Menschen Hoffnung geben.

Erbauliche Zeiten

2016-01-09-16-08-32Im April 2017 werde ich 50 Jahre alt.

So, das Geheimnis ist jetzt auch raus.

Bis dahin möchte ich das Schiff wirklich, wirklich fertig gebaut haben…

Ich habe immer geflachst: Ich habe gebetet, dass das Schiff bis zu meinem Geburtstag fertig wird, aber habe versäumt ,das Jahr zu erwähnen. Jetzt erwähne ich es mit, wenn ich bete! Geburtstag 2017!!!!
2016-03-19-12-32-32Was aktuell noch aussteht: 
– Steuerhaus (Mein Büro) isolieren und ausbauen – das gehen wir jetzt als nächstes  an, weil es im Winter bei einfach verglasten Fenstern sonst superkalt ist.
– Böden im Seminarraum und Eingang schleifen und mit Kork bekleben
– Böden und Arbeitsplatten im Wohnzimmer schleifen und Ölen
– Regale / Einbauten für Klo, Bad, Gästezimmer 1 + 2, Werkzeugraum
– Dusche für mein Schlafzimmer
– Decken im Eingangsbereich
– Lüftungssystem fertigstellen
– Türen für Seminarraum
– Neuer Kaminofen für Seminarraum
und gefühlte 10.000 Kleinigkeiten.
(Bild: Holzplatten für mein Schiff streichen am Nachbarschiff – da war mehr Platz).
Wer mithelfen will, ist herzlich eingeladen, mich zu kontaktieren und wenn es passt, für ein paar erbauliche Stunden oder Tage an Bord zu kommen.  
Ein paar Stunden pro Tag zu malen, zu putzen, Holz zu sägen oder was auch immer gerade ansteht.  Ob mit oder ohne handwerkliche Fähigkeiten. Genug zu tun gibt es für Handwerker aller Abstufungen.
Und nebenbei ist es möglich,  das eine oder andere Gespräch mit mir zu haben, um selbst „erbaut“ zu werden oder das Leben zu sortieren.
Wenn dich das interessiert, dann bist du herzlich eingeladen, mit mir Kontakt aufzunehmen.
Auf erbauliche Zeiten! 

WUNDERschön. Matthias Beyer bei mir an Bord

2016-11-17-21-08-03Es ist 12 Stunden her, doch in meinen Augen stehen immer noch die Tränen.

Mein guter Freund Matthias Beyer hat gestern Abend zusammen mit seinem Schwiegervater mein Schiff besucht.

Das Besondere: Ostern 2015 lag Matthias nach einem extrem schweren Schlaganfall – der Arzt hatte noch nie ein so großes Aneurysma gesehen – im Sterben. Die Ärzte hatten ihn aufgegeben. Es war nur noch eine Frage, wann die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet würden.

Sein Großhirn sendete über eine Woche lang keine Signale, die auf einem EEG messbar gewesen wären. Nur das Stammhirn zeigte noch milde Aktivität.

Und dann – überraschend, schockierend, beglückend – wachte Matthias wieder auf und erlangte sein Bewusstsein zurück. In meinem Blogbeitrag Das zweitbeste Ostern aller Zeiten hab ich die Details erzählt.

Ein Mann erzählte mir gestern, seine Frau, die sich als „nicht gläubig“ bezeichnet, hätte danach gesagt: „Was mit Matthias geschehen ist, fordert meinen Unglauben heraus!“

Und – entgegen aller ärztlichen Prognosen – erholte er sich zusehends und gewann Fähigkeiten zurück, die Ärzte nicht für möglich gehalten hätten.

  • Stehen, Gehen mit Stock, selbständig gehen.
  • Etwas Verstehen, Worte sprechen, Sätze sprechen.

Gestern unterhielt er sich vier Stunden lang mit verschiedenen Menschen. Fragte, wie es ihnen geht. Und erzählte wie es ihm geht.

Er sagte: „Ich bin noch nicht ganz gesund. Irgendwo in der Mitte. Ich kann noch nicht arbeiten (man beachte das noch in dem Satz!). Aber ich kann viel mehr sprechen als andere. Ich bin dankbar. Ich lebe!“

Sein Zustand jetzt

  • Er kann gehen, aber die rechte Seite ist noch eingeschränkt, ich weiß nicht, wie das medizinisch heißt, aber es sieht aus wie eine Spastik, Finger und Beine lassen sich nicht so leicht beugen und koordinieren.
  • Er kann sprechen und ist in 98% der Fälle gut verständlich…Deutsch fällt ihm leichter als Englisch. Manchmal spricht er leicht „nuschelnd“…kein Vergleich zu vor einem Jahr, als ich manchmal 10 Mal um Wiederholung bitten musste, bevor ich ihn verstehen konnte.
  • Die Fokussierung seiner Augen wird besser. Direkt nach dem Schlaganfall sah er alles x-fach. Das reduzierte sich auf 6, 5. 4. 3 – jetzt sieht er Dinge noch doppelt, was natürlich sehr anstrengend ist. Lesen und Schreiben ist noch nicht oder kaum möglich.
  • Er begreift und versteht Dinge viel besser, Komplexes oder Witze sind noch schwer. Als wir auf mein Schiff anstießen, und sein Schwiegervater sagte: „Trink nicht zu viel, sonst bekomme ich Ärger mit zwei Frauen!“ verstand er es nicht. Als ich es einfacher erklärte, verstand er es schon: „Wenn du zu viel trinkst, sind (deine Frau) Kim und (deine Schwiegermutter) Jody böse auf David, weil er nicht gut auf dich aufgepasst hat!“
  • Er ist präsent und reagiert – ganz andes als letztes Jahr im Dezember, wo er oft vor sich hinstarrte…

„Ich bin so dankbar… “

Diesen Satz hat Matthias gestern ein paar Dutzend Mal gesagt.

Ich bin auch sooo dankbar

  • Dass er lebt
  • Dass die Einschränkungen weit weniger schlimm sind als erwartet
  • Dass sein Gehirn und auch seine Seele (im Frühjahr war er oft niedergeschlagen) sich zunehmend erholt.
  • Dass wir gemeinsam mein Schiff bestaunen konnten.

Bitte betet weiter für ihn 

  • Dass die rechte Körperhälfte wieder voll funktionsfähig wird
  • Dass sein Gehirn sich schnell weiter erholt und Verstehen und Erinnern zunimmt
  • Dass seine Augen bald klar sehen

Nächstes Projekt: Winterfestes Büro

2016-09-30-09-04-57Heute fiel teilweise der Strom auf dem Schiff aus.

Unter anderem funktionierte die Steuerung der großen Heizung nicht mehr – brrr. Zu allem Überfluss war es sehr windig und der Wind pfiff durch die Ritzen der Fensterrahmen im Steuerhaus, wo ich mein Büro habe. Ich hab das erst mal mit Mullbinden notdürftig abgedichtet (Betonung auf dürftig).  Die einfach verglasten Scheiben sind ohnehin nicht der Hit. Und nicht sonderlich Energie – effizient.

Es ist ganz klar: Hier muss etwas bald geschehen, sonst überstehe ich den Winter nicht gut.

Nächste Woche kommt Bootsbauer Helge für etwa zwei Wochen und wird das „Projekt Steuerhaus“ in Angriff nehmen.

  • Alle Fugen und Ritzen isolieren
  • Eine zweite Schicht Fensterglas anbringen (juchu!)
  • Die Decken und Wände verkleiden
  • Den Fussboden legen

Damit sollte das Büro dann zumindest halbwegs winterfest sein.

Natürlich kostet das.

  • Ein paar Hundert Euro fürs Glas
  • 100 – 150 Euro fürs Isoliermaterial
  • 100 – 200 Euro für Farben, Dichtmasse usw.
  • Arbeitszeit

Alles in allem schätze ich, dass das Ganze 1500 bis 2000 Euro kosten wird. Im Grunde nicht viel für den Ausbau eines ganzen Raumes. Aber doch viel, wenn man es nicht hat.

Aktuell habe ich Minus 20 Euro auf dem Konto. Es ist also mal wieder herausfordernd.

Wenn ihr das Projekt „Winterwarmes Büro“ unterstützen möchtet, seid ihr herzlich willkommen. Entweder durch eine Finanzspritze. Oder indem ihr ein paar Stunden oder Tage mithelft.

Der Ofen läuft wieder.  Mit Ausnahme vom Steuerhaus und dem Eingangsbereich ist es überall an Bord kuschlig warm.

Herzlich willkommen.

Baucamp im November

2016-09-30-09-04-57Ende November / Anfang Dezember wird Bootsbauer Helge hier sein und mein Büro im Steuerhaus weiterbauen (siehe Bild).

Einfach verglaste Fenster und Wände aus schwarzer Isolierung sind auf Dauer nicht so schön… und mit vier Paar Socken im Büro zu sitzen auch nicht.

Ich suche für diese Zeit

– 1 – 3 Schiffs-Gäste und Helfer (vom 20. 11. – 6. Dezember oder einen Teil der Zeit)
Menschen, die in dieser Zeit Lust haben, eine Auszeit an Bord zu machen und 2 – 3 Stunden am Tag mitzuhelfen (leichte Sachen: Streichen, Ordnen, Putzen).

Die Gästezimmer und das ganze Schiff sind beheizt, es gibt ne Dusche…

– Einen Ferienort für mich ( 23. 11. – 30. 11.)

Ich kann ja in der Zeit mein Büro im Schiff nicht nutzen und will deshalb gern einen Schreiburlaub machen.

Seele baumeln lassen und an meinem neuen Buch schreiben.

Am liebsten an einem Ort, wo es noch sonnig und WARM ist. Ferienhaus am Meer? Halbwegs bezahlbar. Wer hat ne Idee?

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