Wal. Neid auf mich selbst.

Neid auf dich selbst – die überraschende Zufriedenheitsstrategie

Vor einer Weile hielt mich die Polizei an einer Autobahnraststätte an. Sie wollten meinen Kofferraum nach Drogen durchsuchen. Der Grund: Ich war fröhlich hüpfend aus dem Auto gestiegen, und wer glücklich ist, ist hierzulande verdächtig.

Ausgelöst hatte das ein Traum aus der Nacht davor. Ich hatte geträumt, ich sei neidisch auf mich selbst. Beim Aufwachen musste ich lachen. Was für ein absurder Gedanke. Aber er blieb hängen.

Dann dachte ich weiter: Hätte ich ein anderes Leben gehabt, eine Kindheit in der Stadt zum Beispiel oder in einem anderen Land, würde ich mich um vieles beneiden. Um den Garten meiner Kindheit. Um meine Oma. Um die Bildung, die ich genießen durfte.

Auf einer längeren Autofahrt zählte ich mir dann selbst auf, worum ich mich beneiden könnte, wenn es nicht mein eigenes Leben wäre. Von Kilometer zu Kilometer wuchsen Dankbarkeit und Freude. An der nächsten Raststätte hüpfte ich so fröhlich aus dem Auto, dass mich die Polizei für verdächtig hielt.

Die Übung: Neid auf dich selbst

Die Idee ist einfach und gerade deshalb wirksam. Du fragst dich: Worum würde ich mich beneiden, wenn ich es nicht hätte? Oder: Worum könnten andere mich beneiden?

Das ist keine Schönfärberei. Du blendest bewusst für einen Moment die Schwierigkeiten aus und schaust nur auf das, was da ist. 

Zum Beispiel:

  • den Partner oder die Partnerin, auch wenn er oder sie manchmal nervt
  • die Kinder, auch wenn sie ihr Zimmer nicht aufräumen
  • den Job, auch wenn er anstrengend ist
  • das Zuhause, auch wenn es Arbeit macht
  • deine Heimat, auch wenn sie nicht perfekt ist

So gehst du vor

Nimm dir Zeit: Eine längere Autofahrt oder Zugfahrt oder ein langer Spaziergang. Finde mindestens 100 Dinge, die dein Leben reich machen. Dinge, um die du dich beneiden könntest, wenn es nicht dein eigenes Leben wäre.

Wenn du magst, nimm dir danach Zeit für Dank. An Menschen, an Gott, an das Leben und sogar an dich selbst für all das, was du selbst dazu beigetragen hast.

Ein Schritt weiter geht diese Frage: 

Worum würde ich mich gern beneiden, kann es aber noch nicht, weil es mir derzeit fehlt? 

Vielleicht sehnst du dich nach einem schöneren Wohnort mit Garten. Nach mehr tragfähigen Beziehungen. Oder nach einer anderen beruflichen oder ergänzenden ehrenamtlichen Tätigkeit, in der du deine Stärken mehr einbringen kannst.

Prüfe dann: Ist mir das wirklich wichtig? 

Wenn ja, fang an zu planen, was du tun kannst, um dieses Leben aufzubauen. Oft ist mehr möglich, als man zunächst denkt.

Was die Forschung zu Dankbarkeit sagt

Der Effekt ist nicht nur ein gutes Gefühl für den Moment. Die Psychologen Robert Emmons und Michael McCullough ließen in einer viel zitierten Untersuchung eine Gruppe wöchentlich aufschreiben, wofür sie dankbar waren.

Eine zweite Gruppe notierte stattdessen, was sie störte. Nach mehreren Wochen berichtete die Dankbarkeits-Gruppe von mehr positiven Gefühlen, mehr Optimismus und mehr Lebensfreude als die Vergleichsgruppe. 

Andere Studien fanden zusätzlich einen Zusammenhang mit besserem Schlaf und weniger Stress.

Der Effekt ist also nicht bloß nette Stimmungsmache, sondern einer der am besten untersuchten Hebel der Positiven Psychologie für seelisches und körperliches Wohlbefinden. 

Wenn du mehr Unterstützung willst

Manchmal sind es gar nicht die großen Dinge, um die es geht, sondern darum, insgesamt ein gutes Leben aufzubauen. 

Wenn du beim Nachdenken über diese Übung merkst, dass du spürst, du willst dein Leben in eine neue Richtung lenken, aber weißt nicht genau wohin, musst du das nicht allein herausfinden.

Buche dir dafür gern ein kostenloses Klarheitsgespräch bei mir, und wir schauen uns gemeinsam deinen nächsten Schritt zu einem besseren Leben mit mehr Zufriedenheit an.

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