Falsches Denken über Vision

„Ach, hätte ich nur eine Vision.“
Viele Menschen leiden darunter, dass sie nicht die eine große Vision für ihr Leben haben.
So wie Menschen, die von klein auf wussten, dass sie Astronaut, Krankenschwester oder Weltretter werden wollten.
Sie denken, dass die Vision zu finden, sie glücklich machen würde.
Dabei übersehen viele zwei wichtige Aspekte:
1. Vision allein macht auch nicht glücklich.

Ein gut gelebtes Leben macht (meistens relativ) glücklich. Dazu gehören alle acht Lebenselemente, nicht nur eines.
In meinem neuen Coachingbuch habe ich dazu Folgendes geschrieben.
„Ich muss nur meine Vision finden, dann werde ich glücklich“, höre ich oft.
Visionen machen glücklich? Sorry. Fehlanzeige. Kein einziges Lebenselement allein hat die Power, uns glücklich zu machen.
Menschen, die sehr stark eine bestimmte Vision verfolgen, können sogar etwas Getriebenes, ja sogar Manisches haben.
Bei manchen Visionären grenzte die Vision an Wahnsinn – oder wurde zum Wahnsinn, wenn die Vision der „wunderbaren Welt“ auf dem Rücken anderer ausgetragen wurde.
Egal, ob es sich dabei um den genialen Baumeister der Pyramiden handelte, die nur mit Zwangsarbeit möglich waren, oder die Architekten von gesellschaftlichen Ideologien, die Millionen von Opfern forderten.
Geigenbauer Martin Schleske träumt davon, bis 85 in der Werkstatt zu stehen und besser zu werden als Stradivari.
Er will einen einzigartigen, kraftvollen und zugleich sanften Klang finden.
Er ist realistisch genug, zu wissen, dass jede Berufung auch ihre nervigen und stressigen Aspekte hat.
Und dass man einer Vision folgen darf und muss – aber von ihr nicht das Glück erwarten sollte.
Auf LinkedIn hat er es im Februar 2025 so ausgedrückt:
Die Pferde sind erst seit sehr Kurzem in mein Leben gekommen, seit drei Jahren. Das ist wie eine Atomexplosion der Liebe. Ich glaube, je älter man wird, desto notwendiger ist es, zu unterscheiden zwischen Berufung und Quelle. Hier in der Werkstatt habe ich meine Berufung, auch die Gabe dafür, und ich merke: Berufung darf uns anstrengen, Berufung darf uns auch erschöpfen. Da geben wir, wer wir sind und was wir haben. Und es lebt aus unserer Hingabe.
Ich leide darin auch an den unfassbaren Ansprüchen, die die Musiker an mich stellen, was ich für sie schaffen soll. Oft schwappt dann die Werkstatt voll mit so einer großen Musikerseele, mit der ganzen Unzufriedenheit, und man säuft fast ab in den Erwartungen der Musiker.
Und deswegen merke ich: Ich darf meine Berufung nicht zur Quelle machen. Sie darf nicht das sein, was meine Seele nährt, sondern sie ist die Lebensaufgabe. Ich bin dankbar, dass der Himmel mir die Pferde geschenkt hat.
Kennst du deine Berufung? Und hast du eine Quelle, die dir sagt, dass du nicht perfekt sein musst – und die dich in allem stärkt?
2. Du hast vermutlich schon große Teile deiner Vision.

Wenn ich nachfrage, stelle ich oft fest: Die meisten Menschen wissen, was ihnen am Herzen liegt und wofür sie sich gerne einsetzen. Und viele tun es bereits.
Dennoch denken sie, sie müssten haargenau einen Punkt treffen, wo sie dann die Vision finden.
Im Buch habe ich geschrieben:
Dennoch ist für die meisten von uns Berufung eher ein Feld, in dem man sich bewegen kann, als ein Punkt, den man treffen muss.
Meine Begabungen liegen beispielsweise im Coachen und darin, Wissen zusammenzufassen und praktisch zu machen.
Ob ich das in Form von Büchern, Seminaren, Kursen oder in Einzelgesprächen mache, ist dabei fast egal.
Innerhalb des weiten Feldes von Coaching, Schreiben und Training lebe ich meine Vision.
Falls du also nicht die große Vision hast, dann ist das nicht so schlimm.
Dann lebe einfach weiter für die vielen kleinen Dinge, die dir wichtig sind. Auch das ist Vision.
Falls du die vorhandenen Bausteine sortieren und Ordnung in deine Gedanken zur Vision bringen willst, empfehle ich dir das Webinar Lebensvision – und natürlich das Kapitel aus dem neuen Coachingbuch.
Das Buch zeigt dir auch, wie du andere coachen und begleiten kannst, die sich mit dem Thema Vision schwertun.
Und falls du zu den Menschen gehörst, die einfach zu viele gute Ideen haben und gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen, dann empfehle ich dir das Webinar 1000 Ideen und kein Plan.
Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass der Druck aus dem Thema „Vision“ rauskommt – und du entspannter damit leben kannst.